Impressum
Diözesanrat
Hildesheim

HANNOVER SPRICHT ÜBER ...

Flüchtlinge – wie hilft die Kirche vor Ort?

Schon seit Wochen halten die andauernden Flüchtlingsströme die Katholischen Gemeinden in Stadt und Region Hannover auf Trab. Neben dem Caritasverband und den Maltesern sind auch die Gemeinden und kirchlichen Institutionen vor Ort aktiv. Um ihre Aktionen besser zu vernetzen, wurde das „Netzwerk Katholische Flüchtlingsarbeit Hannover“ gegründet.

Beim Gründungstreffen des Netzwerkes kamen rund 70 Personen zusammen. Viele von ihnen als Vertreter von Gemeinden, Institutionen oder Gruppen. © pkh

Beim Gründungstreffen des Netzwerkes kamen rund 70 Personen zusammen. Viele von ihnen als Vertreter von Gemeinden, Institutionen oder Gruppen. © pkh

Die Schüler im Deutsch-Fortgeschrittenenkurs des Mehrgenerationenhauses Burgdorf sind im Untergeschoss der Gemeinde St. Nikolaus untergekommen. Heiko Kröger unterrichtet sie zusammen mit drei anderen ehrenamtlichen Lehrkräften. Mohammed (32) aus Afghanistan zum Beispiel ist seit zehn Monaten in Burgdorf untergebracht (vorne links). Die anderen Flüchtlinge kommen aus Afrika oder den Balkanstaaten. © pkh

Die Schüler im Deutsch-Fortgeschrittenenkurs des Mehrgenerationenhauses Burgdorf sind im Untergeschoss der Gemeinde St. Nikolaus untergekommen. Heiko Kröger unterrichtet sie zusammen mit drei anderen ehrenamtlichen Lehrkräften. Mohammed (32) aus Afghanistan zum Beispiel ist seit zehn Monaten in Burgdorf untergebracht (vorne links). Die anderen Flüchtlinge kommen aus Afrika oder den Balkanstaaten. © pkh

Die zehnjährige Kreschma Azizi kam mit ihren Eltern aus Afghanistan nach Garbsen. Das ökumenische Projekt Neuland hilft ihr dabei, auch mal aus Garbsen raus zu kommen und etwas Neues zu entdecken. Zum Beispiel, wie man aus Stöcken Musikinstrumente selber baut. © Neuland

Die zehnjährige Kreschma Azizi kam mit ihren Eltern aus Afghanistan nach Garbsen. Das ökumenische Projekt Neuland hilft ihr dabei, auch mal aus Garbsen raus zu kommen und etwas Neues zu entdecken. Zum Beispiel, wie man aus Stöcken Musikinstrumente selber baut. © Neuland

In Hannover und der Region engagieren sich Katholiken in fast allen der 23 Pfarrgemeinden für Flüchtlinge. Wo genau wer was in den Gemeinden und katholischen Einrichtungen unternimmt – an einer solchen Bestandsaufnahme wird derzeit gearbeitet. „Es gibt an vielen Stellen ein enorm hohes Engagement, das wir dringend miteinander vernetzen müssen“, sagt Propst Martin Tenge. „Wir haben als Katholische Kirche beim Thema Flüchtlinge definitiv kein Aktivitätsdefizit, brauchen aber noch mehr Wissen voneinander.“ Darum hat Propst Tenge zusammen mit dem Dekanatspastoralrat der Katholischen Kirche in der Region Hannover das „Netzwerk Katholische Flüchtlingsarbeit Hannover“ gegründet, dem derzeit rund 70 Einzelpersonen, Gemeinden und Institutionen angehören. „Das Interesse an unserem Netzwerk ist sehr groß“, sagt Propst Tenge. „Derzeit arbeiten wir noch rudimentär mit einem E- Mail- Verteiler, in dem wir praktische Tipps geben und wichtige Informationen austauschen. Aber gleichzeitig befinden wir uns gerade im Aufbau einer hauptberuflichen Koordinierungsstelle, die eng mit dem Caritasverband zusammen arbeiten wird und die das Netzwerk dann leiten und koordinieren wird.“ Wann wo die nächste Schulung stattfindet, wer wo welche Fremdsprachenkenntnisse oder Sachkenntnisse hat – in einem gemeinsamen Netzwerk können diese Informationen hilfreich sein.

Vielfältiges Engagement der Katholischen Kirche in Stadt und Region

Nach derzeitigem Kenntnisstand gehen die Katholischen Gemeinden in Stadt und Region Hannover verschiedene Wege, um Flüchtlingen zu helfen. Mal gab es eine bewusste Entscheidung der Pfarrgemeinden, keine eigenen Aktionen zu starten, sondern bereits bestehende Initiativen zu unterstützen. Ein Beispiel dafür ist die Gemeinde St. Heinrich in der Innenstadt von Hannover, die mit einem Flüchtlingshilfsfond schon seit einiger Zeit finanzielle Unterstützung organisiert und eines ihrer Pfarrheime für Deutschkurse zur Verfügung stellt. Ähnlich läuft das Engagement auch in St. Nikolaus Burgdorf, wo Räume im Pfarrhaus für Deutschkurse zur Verfügung gestellt werden. Dort findet mehrmals die Woche Unterricht statt, der vom gemeinnützigen Verein Burgdorfer Mehrgenerationenhaus organisiert wird. Die Kooperation zwischen Verein und Gemeinde umfasst auch immer wieder gemeinsame Veranstaltungen, Spendenaktionen und Informationsveranstaltungen. „Die Kirchen sind für uns ein sehr wertvoller Partner bei der Integration von den rund 200 Asylsuchenden und 100 anerkannten Flüchtlingen, die wir hier in Burgdorf begleiten“, sagt Ursula Wieker vom Mehrgenerationenhaus.

Mal ist das katholische Engagement aber auch noch umfassender wie in Garbsen- Berenbostel, wo das ökumenische Projekt Neuland der evangelisch- lutherischen Silvanusgemeinde und der katholischen Gemeinde St. Raphael mit dem Kirchort St. Maria Regina sich dem Thema Flüchtlinge und den Menschen angenommen hat. Ursprünglich als Projekt von den beiden Gemeinden ins Leben gerufen, um in einem sozialschwachen Gebiet neue Akzente zu setzen, bringen die beiden Hauptamtlichen Kräfte von Neuland, Kathrin Osterwald und Ronald Brantl, seit Juni diesen Jahres die rund 130 neu angekommenen Flüchtlinge in ihrem Viertel mit den rund 30 ehrenamtlichen Helfern vor Ort zusammen und organisieren Hilfsaktionen. „Wir sind für alle da, die zu uns kommen“, betont Osterwald. „Und alle Spenden und Hilfsangebote, die wir bekommen, gehen nicht nur an die Flüchtlinge, sondern auch an andere Bedürftige. Das ist uns wichtig, damit kein Neid oder Missverständnisse entstehen zwischen den Gruppen.“ Freiwillige, die Deutschkurse leiten, Integrationslotsen, die mit Flüchtlingen Briefe übersetzen und zum Arzt gehen, und auch eine Kleiderkammer und eine Fahrradwerkstatt koordiniert das Projekt Neuland.

Wohnraum für Flüchtlinge

Andere Gemeinden und katholische Einrichtungen in Hannover gehen sogar noch einen Schritt weiter und haben, wie von Papst Franziskus diese Woche gefordert, Flüchtlinge in ihren eigenen Räumen untergebracht. „Wir wissen, dass mindestens 18 Personen in kirchlichen Räumen der Katholischen Kirche auf unserem Gebiet untergebracht sind“, sagt Propst Martin Tenge. Weitere Standorte seien bereits seit einiger Zeit in Planung – aber die meisten Pfarrheime und –häuser in Hannover seien voll ausgelastet. Schon seit Monaten laufen zum Beispiel konkrete Verhandlungen zwischen der Stadt Hannover und der Gemeinde St. Godehard, die am Kirchort Maria Trost Wohnraum für rund 30 Flüchtlinge schaffen will. Noch stehen aber in diesem konkreten Fall keine Verträge fest und ein Start für die nötigen Umbauten ist noch nicht abzusehen. Bewegung in diesem Bereich gibt es dagegen in der Gemeinde St. Bonifatius in Gehrden, die in ihrem Pfarrheim eine Flüchtlingsfamilie von maximal fünf Personen aufnehmen wird. Darüber hinaus werden im Pfarrheim dort auch Sprachkurse stattfinden, wie sie auch schon in einem der Kirchorte der Gemeinde, St. Barbara in Barsinghausen, seit einiger Zeit laufen. Die Pfarrgemeinde hatte schon Wochen zuvor beschlossen, für jeden ihrer Kirchorte zwei Personen mit der Koordinierung aller Anfragen rund um Flüchtlinge und dem Vernetzen mit den lokalen politischen Kreisen zu beauftragen.

Aber auch die Katholischen Einrichtungen helfen mit: Die Katholische Erwachsenenbildung Hannover, die Katholische Studierendengemeinde und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend planen Aktionen und Schulungen.

Kontakt zum Netzwerk erhalten Sie über die Mail-Adresse netzwerk(at)kath-kirche-hannover.de. Eine überregionale Übersicht über das Engagement der Katholischen Kirche im Bistum Hildesheim finden Sie im Internet. Diese Übersicht wird ständig überarbeitet und kann von Ihnen gerne ergänzt werden. Eine Übersicht, was in Hannover wo gebraucht wird, versucht die HAZ zusammen mit mehreren Hilfsorganisationen wie den Johannitern aktuell zu halten, ist allerdings an einigen Stellen schon veraltet. Von offizieller Seite ist der FreiwilligenServer zu nennen, der aber eher überregional orientiert ist. 

(Artikel vom 19. Oktober 2015)