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HANNOVER SPRICHT ÜBER ...

Fragen, die brennen

Ein Segen für Paare, die sich (noch) nicht für immer binden wollen? Ein neues Weiheamt für Frauen? Die Reihe „Übermorgen Kirche? Fragen, die brennen“ bringt die ungelösten Fragen der katholischen Kirche neu ins Gespräch – ohne Denkverbote. Eine Zwischenbilanz

Das Publikum im Tagungshaus St. Clemens beteiligte sich engagiert. Fotos: Meilwes

Das Publikum im Tagungshaus St. Clemens beteiligte sich engagiert. Fotos: Meilwes

Ewa Karolczak (l.), Felizitas Teske (2.v.l.) und Propst Martin Tenge diskutierten mit Moderatorin Alexandra Jürgens-Schaefer (2.v.r.) über die Rolle von Frauen in der katholischen Kirche

Ewa Karolczak (l.), Felizitas Teske (2.v.l.) und Propst Martin Tenge diskutierten mit Moderatorin Alexandra Jürgens-Schaefer (2.v.r.) über die Rolle von Frauen in der katholischen Kirche

Sie hätten gerne kirchlich geheiratet, aber sie durften nicht. Heidi und Dieter Klöppelt  haben sich erst in mittleren Jahren gefunden. Da war er schon einmal verheiratet. Beide stellten sich Propst Martin Tenge und dem Publikum beim ersten „Clemensgespräch“ unter der Überschrift „Brüche, die nicht heilen dürfen. Geschieden und wieder verheiratet“. Die Clemensgespräche wollen „Fragen, die brennen“ in der katholischen Kirche aufgreifen: Neben der Problematik, wie die Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen umgeht, war das bisher auch die Rolle von Frauen in der Kirche. Das getrennte Abendmahl von katholischen und evangelischen Christen wird am 11. September Thema sein und der Zölibat am 4. Dezember. Eine Fortsetzung der Reihe im Jahr 2014 mit weiteren „heißen Eisen“ ist geplant.

Dieter Klöppelt ist von der evangelischen in die katholische Kirche übergetreten, wohl wissend, dass er als wiederverheirateter Geschiedener nicht einfach ins kirchliche Leben einsteigen kann.  Bei der Diskussion kochten die Emotionen hoch. Für die Zuhörer war klar, dass die Kirche hier so hartherzig handelt, wie Christus das nie gewollt haben kann. Ganz anders das Ehepaar. Für Heidi Klöppelt ist es richtig, dass sie nicht kirchlich heiraten dürfen. Aber sie hofft, dass Gott ihnen ihre Liebe verzeiht. Harter Stoff für das Publikum.

Für Propst Martin Tenge, berichtete er beim zweiten Clemensgespräch, hat die Diskussion den Anstoß gegeben, das Thema Ehe im Priesterrat neu ins Gespräch zu bringen. „Zur Zeit haben wir nur zwei Alternativen“, erklärt er: Das Sakrament der Ehe oder ein Leben in Sünde. Doch das Leben ist vielfältiger.  „Von Paaren höre ich immer wieder, dass ihnen das Wichtigste der Segen der Kirche ist – wichtiger als das Sakrament, das die Unauflöslichkeit der Beziehung bedeutet“, sagt Tenge. Den Paaren, die sich (noch) nicht für immer für einander entschieden haben, möchte er gerne eine Segnung anbieten - als Alternative oder ersten Schritt zum Ehesakrament.  

Beim zweiten Clemensgespräch beschrieben Ewa Karolczak, Pastoralreferentin im Katholischen Internationalen Zentrum, und Felizitas Teske, Schulleiterin und Zweite Vorsitzende des Dekanatspastoralrates, ihre Erfahrungen als Frauen mit Verantwortung in der Kirche. Die Diskussion entzündete sich am Vorstoß von Kardinal Walter Kasper und Erzbischof Robert Zollitsch in der Deutschen Bischofskonferenz, die ein Diakonat für Frauen ohne Weihe anregten. Felicitas Teske befürchtet, dass hier die Debatte mit einer „Kurzschlusshandlung“ rasch beendet  werden soll. „Wenn Männer geweiht und Frauen nur gesegnet werden, zemetiert das die Unterschiede“, ist sie überzeugt.  Propst Tenge fordert: „Wir müssen ein eigenes Weiheamt für Frauen finden, das es vorher nicht gab.“ Ewa Karolczak regte an, das Thema neu in der öffentlichen Debatte zu platzieren: „Warum rufen wir nicht ein „Jahr der Frau in der katholischen Kirche“ aus?

Das Programm der Clemensgespräche finden Sie hier.

Wer über das Thema „Frau in der Kirche“ weiterdiskutieren möchte, hat dazu am Mittwoch, 18.9. ab 19 Uhr in der Gemeinde Heilig Geist in Schwarmstedt Gelegenheit. Gäste sind Manuela Weinhardt-Franz, die Gleichstellungsbeauftragte des Bistums, und Monika von Palubicki, Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands  auf Bistumsebene.    

 

(Artikel vom 26. Juni 2013)