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PERSONALIEN

„Wir nehmen nicht einfach alles hin“

Carola Stieglitz ist neu im Vorstand des Dekanatspastoralrates. Die 25-Jährige spricht im Diözesanrat, der Vertretung der Laien im Bistum, für die Region Hannover. Hier erzählt sie, was sie bewegt und was die Kirche jungen Erwachsenen bieten kann

Carola Stieglitz kann ein Lächeln hervorzaubern wie andere höchstens ein Taschentuch. „Wenn man in Australien war, hat man das drauf  mit dem Lächeln“,  sagt sie augenzwinkernd. Die 25-Jährige reist leidenschaftlich gerne:  Mit ihrem besten Freund zu seiner Familie auf die Philippinen, nach Taizé oder natürlich zu den Weltjugendtagen.

Um die Begeisterung, die bei diesen Großereignissen des Glaubens überschwappt, auch im Alltag lebendig zu halten, braucht man einen langen Atem. Carola Stieglitz engagiert sich im Pfarrgemeinderat der Gemeinde St. Marien im Norden Hannovers, seit sie 16 ist. Dass sie jetzt für den Vorstand des Dekanatspastoralrates kandidiert hat, hatte für sie auch einen ganz persönlichen Grund: „Ich wollte mir meine Motivation erhalten.“ Nicht nur ein Gemeindefest nach dem anderen organisieren, sondern über den eigenen Tellerrand blicken, von den Erfahrungen anderer Gemeinden lernen und sehen, was man gemeinsam bewegen kann. Einstimmig hat der Dekanatspastoralrat die Studentin der Sozial- und Organisationspädagogik in den Vorstand gewählt. Sie vertritt das Regionaldekanat Hannover auch im Diözesanrat, der Vertretung der Laien im Bistum.

Carola Stieglitz ist klar: In ihrer Generation kommt es „ vielleicht nicht schizophren, aber irgendwie komisch“ herüber, sich in kirchlichen Gremien zu engagieren. „An sich ist die katholische Kirche unattraktiv für junge Menschen“, sagt sie unumwunden. Wer einen lebendigen Gottesdienst oder ein interessantes Projekt sucht, kann zwar fündig werden. Aber: „Man muss die richtigen Leute kennen.“ Wer nicht durch Familie oder Freunde zur Kirche findet, findet den Weg wahrscheinlich nie. Ohne die Freundin, mit der sie jahrelang eine Kindergruppe geleitet hat, oder die Freunde, die sie im Jugendpastoralen Zentrum Tabor gefunden hat, hätte sie nicht weitergemacht, erzählt sie. Was ihre Generation von den vorigen unterscheidet: „Wir nehmen nicht einfach alles hin. Ich bin kritisch und wähle aus. Bevor ich mir einen mäßig vorbereiteten Gottesdienst mit schlechter Musik antue, komme ich lieber gar nicht.“  Dabei, meint Carola Stieglitz, hat die Kirche einiges, was junge Erwachsene suchen: ihre Internationalität zum Beispiel. Oder die Fähigkeit, in unsicheren Zeiten Halt zu geben.  In den Exodus-Gottesdiensten, die eine Gruppe von Christen einmal im Monat an verschiedenen Orten im Bistum feiert, fühlt sie sich zu Hause – und die Musik klingt so wie die, die sie im Alltag auch gerne hört.  

Im Dekanatspastoralrat möchte Carola Stieglitz die Vernetzung mit und unter den Gemeinden stärken.  Nicht jede Gemeinde hat zum Beispiel die Kapazitäten, eine Firmvorbereitung anzubieten, die nachhaltig ist und Jugendliche für die Kirche einnimmt.  „Warum tun wir uns nicht zusammen und versuchen, was eine Gemeinde nicht alleine schaffen kann?“

(Artikel vom 27. Januar 2013)